Aktion Selbstbesteuerung e.V.

     Friede durch gerechte Entwicklungspolitik 



Deutsche Pestizide im brasilianischen Kaffeeanbau

(asb-Zuschuß: 5.000.- DM)

Seit Anfang 1998 unterhält die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) enge Beziehungen nach Brasilien. Dort treten auf Kaffee-Plantagen zahlreiche Pestizid-Vergiftungen auf, nicht selten mit tödlichem Ausgang. Eine besondere Rolle spielt dabei das Präparat "Baysiston" von BAYER. Das Mittel führt zu besonders hoher Ertragsteigerung und ist deshalb weitverbreitet. Es ist aber hochtoxisch und deshalb in Deutschland seit 20 Jahren verboten. In Brasilien ist das Mittel zugelassen, jedoch unter strengen Sicherheitsauflagen.

Für die Arbeiter in den Kaffeeplantagen ist die Einhaltung solcher Auflagen aber unmöglich. Die meisten sind Analphabeten und können die entsprechenden Hinweise auf der Verpackung gar nicht lesen. Außerdem müßten sie Ganzkörper-Schutzanzüge und Atemmasken tragen. Das ist für sie völlig unbezahlbar und bei der Hitze im Land auch unzumutbar. Allein im Bundesstaat Minas Gerais wurden so in letzter Zeit nach Angaben der dortigen Staatsanwaltschaft 30 Plantagenarbeiter schwer vergiftet, 12 davon starben. Gegen den verantwortlichen Mitarbeiter der Fa. BAYER wird deshalb von der zuständigen Staatsanwaltschaft ein Strafprozeß angestrebt.

Der Umgang mit den in Baysiston enthaltenen Stoffen führt bei Hautkontakt zu Muskelkrämpfen, Muskelzittern, zu tiefen Bewußtseinstrübungen, zu Muskellähmungen bis hin zum Atemstillstand und damit zum Tod. Da Baysiston - entgegen den Angaben der Fa. BAYER - überall frei zu kaufen ist, wird es von den Bauern teilweise sogar zur Ertragssteigerung bei Mais und Bohnen eingesetzt und gelangt so unmittelbar in den menschlichen Verzehr, mit fatalen Folgen für die Bevölkerung.

BAYER bestreitet, daß von seinem Mittel Gefahren ausgehen und macht für alle nachgewiesenen gegenteiligen Fälle ausschließlich die Plantagenarbeiter selbst verantwortlich, weil sie eben unsachgemäß mit dem Mittel umgingen.

Die CBG hat erreicht, daß die ARD-Sendung Report sich am 11.1.99 ausführlich mit Baysiston beschäftigt und dafür auch eigene Recherchen vor Ort durchgeführt hat. CBG arbeitet mit der brasilianischen Umweltschutz-Vereinigung Associação Mineira de Defesa do Ambiente und dem Vertreter der gtz (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) vor Ort zusammen.

Nun geht es darum, die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren und auch, sich auf die Aktionärsversammlung von BAYER vorzubereiten. Ein CBG-Mitglied wird dort sprechen. Dazu soll eine 24-seitige Studie in einer Auflage von 2.000 Stück gedruckt werden, die an die Medien, entwicklungspolitische Initiativen und die CBG-Mitglieder versandt werden soll. Außerdem soll die Studie den deutschen Aufsichtsbehörden zur Stellungnahme vorgelegt werden.

Für die Recherchearbeiten, die Pressearbeit, die Druck- und Versandkosten rechnet die CBG mit Kosten von 18.000.- DM. Davon hat sie 5.000.- DM beim Solifonds der Grünen und 6.000.- bei der Stiftung Umverteilen beantragt. Bei der asb waren 7.000.- DM beantragt worden, von denen 5.000.- DM bewilligt wurden.

Eine Bezuschussung der Arbeit der CBG durch den ABP (Ausschuß für entwicklungsbezogene Bildung und Publizistik der Ev. Kirche in Deutschland) ist leider nach wie vor nicht möglich, weil dieser dafür auf die Zustimmung der Rheinischen Landeskirche und besonders des Kirchenkreises Leverkusen angewiesen wäre. Eine solche Zustimmung  wird jedoch mit Rücksicht auf die von BAYER finanziell abhängigen Kirchenmitglieder der Region nicht erteilt.

Ernst Standhartinger


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